Bischof Stecher Gedächtnisverein

Stecher-Advent 2018: Fest der Freude

Mit Christine Baur (ehem. Soziallandesrätin), Elisabeth Schatz (Flüchtlingshilfe), Christian Haring (Psychiater) und der Hausmusig Stecher aus Ellbögen.

Das Fest der Freude

Für das Thema dieser weihnachtlichen Besinnung war ich lange auf der Suche. Ich bin auf den Dom-platz hinuntergegangen, wo die Menschen beim Wohltätigkeitsbasar des Lionsklubs in den Ständen gewühlt haben mit einem fröhlichen Entdeckungseifer, den das exquisiteste Kaufhaus nicht her-bringt. Über der Pfarrgasse sind die Lichtgirlanden gegen den grauen Dezemberhimmel gehangen und die Schaufenster haben um die Wette geblitzt und gestrahlt - aber bei mir hat sich nichts bewegt. Vielleicht ist dieses weihnachtliche Drum und Dran zu früh, zu aufdringlich, zu organisiert und zu hochgezüchtet? Oder ist doch hinter all dem etwas, das ein kurzes Verweilen lohnt?
Auf einmal habe ich ihn gesehen beim Christkindlmarkt unter dem Laubenbogen: einen drolligen dreijährigen Knirps mit viel zu großen Bluejeans, wie sie bei sparsameren Familien auf länger-fristiges Hineinwachsen programmiert werden. Dem Kleinen geht offenkundig ein heißersehnter Wunsch in Erfüllung. Der Vater überreicht seinem Sohn eine rosarote Zuckerwolke. Und das Kind strahlt den Vater mit einer solchen Seligkeit an, dass man daran nicht vorbeigehen kann. Und plötzlich weiß ich, was auf die Weihnachtstitelseite passen könnte: Das Fest der Freude.

Das Wort von der Freude

So ganz daneben kann ich mit dieser Wahl nicht liegen. Schließlich hat diese Schlagzeile ja nicht meine Wenigkeit erfunden, sondern jener Engel, der auf den Fluren von Bethlehem mit dem sensationellsten Kommuniqué der Weltgeschichte betraut war. Er hat mit den Worten begonnen: „Siehe, ich verkünde euch eine große Freude..." Ich weiß mich also mit diesem Thema in voller Übereinstimmung mit dem himmlischen Pressezentrum. Bleiben wir also bei der Freude. Aber da die Welt unserer Empfindungen sehr vielschichtig ist, muss man doch mit einer gewissen Vorsicht an das herangehen, was uns bewegt mit den Unterscheidungen jener Psychologie, die sich dem ganzen Menschen verpflichtet weiß. Freude und Freude ist nicht dasselbe.

Die Freude ist die Schwungkraft der Seele

Man darf den feinen Unterschied zum bloßen Vergnügen, zum seichten Amüsement, nicht über-sehen. Das Amüsement begnügt sich mit dem Augenblick, die Freude überstrahlt das Gestern und das Morgen. Amüsement kann man kaufen, Freude bekommt man eigentlich nur geschenkt. Das Vergnügen hat etwas mit Befriedigung zu tun, die Freude mit dem Glück. Mit dem Amüsement lebt der Mensch „in sich hinein'", mit der Freude „über sich hinaus". Das Vergnügen vertreibt die Zeit, die Freude erfüllt sie. Wenn sich das Amüsement vom Sessel erhebt, setzt sich gleich die Langeweile drauf. Wenn die Freude geht, nimmt die Dankbarkeit den Platz ein. Das Vergnügen bietet Ablenkung, die Freude motiviert.
Sicher könnte man noch viele Aphorismen zur Freude und ihren schwächeren Surrogaten erfinden – aber es mag genügen. Ein wenig Hineinhorchen in Lebenserfahrungen, Erinnerungen, Initiativen, Menschen und Schicksale, gelungene Wenden und geglückte Neuauflagen - und immer wieder finden wir es bestätigt: Die Freude ist tatsächlich die Schwungkraft der Seele.

Die Freude umarmt die Welt

Die Freude drängt nach Mitteilung. Was uns der Alltag in tausend Spielarten lehrt, haben zwei große Geister in eine faszinierende Form gegossen: Schiller und Beethoven in der „Hymne an die Freude", dem Schlusschor der Neunten Symphonie. Vieleicht ist die Sprache jener Zeit für uns eine Spur zu pathetisch, aber in der Schlussabrechnung der Geschichte wird es trotzdem stimmen, dass strahlende Herzen und leuchtende Augen unter den Menschen mehr Gemeinsamkeit geschaffen haben als geballte Fäuste und aufgerissene Mäuler. Und darum gilt zeitlos: „Alle Menschen werden Brüder, wo dein sanfter Flügel weilt..." Die ekstatische Verzauberung der Seele, wie die Freude einmal genannt wurde, ist sicher ein wirklich segensreicher, ansteckender Bazillus in der Gesellschaft. Wenn diese rissige und verdorbene Erde trotz aller Bedenklichkeiten und Enttäuschungen, die sie birgt, doch hie und da die Melodie zu hören bekommt „Seid umschlungen, Millionen, einen Kuss der ganzen Welt", dann verdankt sie das sicher der strömenden Freude und nicht der messerscharfen Kritik, mag diese noch so berechtigt und notwendig sein.

 

Mitglied werden

mehr dazu

Newsletter

Wenn Sie unseren NEWSLETTER erhalten wollen, geben Sie bitte hier Ihre Daten ein.

anmelden

Spenden

Wenn auch Sie Bischof Stecher in guter Erinnerung haben und ihm ein ehrendes Andenken bewahren möchten, dann unterstützen Sie doch unsere Arbeit.

Spenden

powered by webEdition CMS