Bischof Stecher Gedächtnisverein

Lebenslauf von Bischof Stecher

„Ich weiß mich getragen und umfangen von der unendlichen Liebe Gottes!“

Lebenslauf - von Reinhold Stecher persönlich verfasst…

Bischof Reinhold Stecher

„Am 22.12.1921 wurde ich als zweiter Sohn von Dr. Heinrich und Rosina Stecher, geb. Harpf, in Innsbruck geboren. Der Vater stammte aus St. Valentin a.d. Haide in Südtirol, die Mutter aus Innsbruck. Ich hatte zwei Brüder. Der ältere wurde Franziskaner, der jüngere fiel in den letzten Kriegstagen 1945. Mein Vater starb schon 1928. Die Volksschule und das Gymnasium besuchte ich in Innsbruck und maturierte 1939. Das einschneidendste Jahr, das meine unbeschwerte Kinder- und Jugendzeit beendete, war 1938 mit dem Anschluss Österreichs an das Reich. Als Mitglied der Katholischen Jugendorganisation geriet ich mit vielen anderen sofort ins Schussfeld der neuen Machthaber. Mein älterer Bruder wurde schon 1938 bei der Aufhebung und Vertreibung der Franziskaner in Salzburg verhaftet. Da in Österreich das deutsche Konkordat nicht galt, war die Kirche weitgehend der Willkür der Gestapo ausgeliefert. Den Kriegsbeginn erlebte ich 1939 im Reichsarbeitsdienst. Im Jahre 1941 wurde ich als Theologiestudent unter der Anschuldigung verhaftet, bei der Organisation einer Wallfahrt tätig gewesen zu sein. Nach zweimonatiger Einzelhaft kam ich im letzten Augenblick vom Transport ins KZ weg und wurde zur Wehrmacht einberufen. Ich war in einer Gebirgsjägerkompanie als einfacher Soldat, zuerst in der Winterschlacht in Nordrussland und dann drei Jahre in Karelien, Finnland. Das Kriegsende erlebte ich im Fjord von Trondheim, Norwegen, und kam von dort im Spätherbst 1945 nach Hause. Ich setzte an der Theologischen Fakultät Innsbruck das Theologiestudium fort, wurde 1947 zum Priester geweiht und promovierte 1951 zum Dr. theol. Meine Lehrer waren unter anderem die Professoren Karl und Hugo Rahner und Josef Andreas Jungmann. Die Jahre des Studiums waren für mich nach den Schrecken des Krieges und der Verfolgung eine wunderbare Zeit. Das Theologiestudium war damals zwar scholastisch (und lateinisch) geprägt, aber von einer großen Offenheit und einer wissenschaftlichen wie spirituellen Konzentration auf das Wesentliche. Ökumenische Freundschaften hatte ich schon im Krieg gewonnen, als ich mit Kameraden aus der bekennenden evangelischen Kirche zusammen traf, mit denen man sich im Widerstand gegen den Nationalsozialismus eins wusste. Im seelsorglichen Dienst war ich vornehmlich in der außerschulischen Jugendseelsorge und in der Katechese beschäftigt, in allen Schultypen von der einklassigen Bergschule bis zur Universität. Zeitweise war ich auch Spiritual im Priesterseminar. Aber meine Hauptaufgabe wurde dann für 24 Jahre die Lehrerbildung, zunächst an der Lehrerbildungsanstalt, später an der Pädagogischen Akademie des Bundes in Tirol.

Reinhold Stecher am Berg

Im Zuge der außerschulischen pastoralen Kontakte habe ich durch viele Jahre Alpinkurse organisiert, jeden Sommer im Fels und im Eis, und dabei die Berge als wertvolle Erziehungshelfer kennen gelernt. Auf diese Weise bin ich auch mit den alpinen Vereinen und Organisationen wie Alpenverein und Bergrettung in Österreich und Deutschland in Kontakt gekommen. Gute Freunde haben mich ermuntert, mit Büchern in die Öffentlichkeit zu gehen. Es sind im Laufe der Jahre insgesamt zwölf geworden. Sie sind weder literarisch noch theologisch bedeutsam. Ich habe sie nur als eine etwas gelockerte Form der Verkündigung in der Sprache unserer Zeit zu schreiben versucht. Auch das Malen von Bildern, zu dem ich in den letzten Jahren des bischöflichen Amtes (1981-1997) animiert wurde, verschafft mir keinen Platz in der Kunstgeschichte, hat aber über Versteigerungen zu einer bedeutenden Aufbesserung des Caritas-Budgets beigetragen.

Bischofsweihe Reinhold Stecher

1981 wurde ich zum Bischof von Innsbruck ernannt. Das Ja zu diesem Amt fiel mir sehr schwer, weil ich nie führende Aufgaben in der Kirche bekleidet hatte und mich in den „niederen“ Diensten der Seelsorge wohl fühlte. Ich hatte das Glück, dass mir Gottes Vorsehung immer ausgezeichnete Mitarbeiter geschenkt hat, die jene Fähigkeiten hatten, die ich nicht besaß. Mit dem Jahre 1997 schied ich aus dem Bischofsamt als Fünfundsiebzigjähriger aus.“ Den Ruhestand verbrachte Reinhold Stecher bei der Privatklinik der Kreuzschwestern in Hoch-Rum. 16 Jahre lang, bis zu seinem Tod am 29. Jänner 2013, war er dort noch Seelsorger und hielt im gesamten deutschen Sprachraum geistliche Übungen (Exerzitien) und Einkehrtage für Priester, Ordensleute und Laien. Für sein segensreiches Wirken wurde Stecher mehrfach ausgezeichnet.

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