Bischof Stecher Gedächtnisverein

Unsere Kirche ergreift das Wort

1995; Kirchenrenovierung Hochgallmigg

Liebe Hochgallmigger!
Das hätte ich vor 54 Jahren nie gedacht, wie ich mit noch ein paar anderen in der Kaserne in Landeck den Befehl erhalten habe, von Landeck her eine Telefonleitung nach Hochgallmigg zu bauen. Es war eine elende Schinderei mit den schweren Feldkabelrollen - und wie waren wir froh, wie der schlanke Turm der Kirche von Hochgallmigg aufgetaucht ist. Und dann mussten wir durchs Feldtelefon hinuntermelden, dass wir am Ziel sind, und erhielten den trockenen Befehl, wieder alles abzubauen. Also ich hoffe, dass ich heute eine bessere Leitung und eine bessere Botschaft bringe. Ihr feiert die Renovierung eurer Kirche, für die ihr so viel geopfert, gesammelt, Schichten geleistet, geputzt und geschmeckt habt. Am liebsten möchte ich ja die Predigt eurer Kirche in den Mund legen. Denn der Bischof geht wieder, aber die Kirche bleibt, und sie ist eine stumme, aber eindrucksvolle Predigt.
1) „Ich bin“, sagt eure Kirche, „zunächst ein wunderbarer Aussichtsplatz“.
Mit der Aussicht kann der Dom von Innsbruck nicht mithalten. Diese Kirche grüßt weit übers Land und über das Inntal, durch das heute der ganze Lärm und der Verkehr eines Kontinents braust, mehr als gut ist. Aber hier heroben geht der Blick über alles hinweg bis zu den Zacken des Kaunergrats und da ist das erste, was uns das Gotteshaus schenken will: Einen Blick für ewige Werte, die über alle Zeiten hinweg bestehen: Der ewige Gott, der als Erlöser und Geist alles umgreift und in die Arme nimmt, der Wert des Gebets der Gläubigkeit, der Treue, die Werte des Menschlichen im Zusammenleben und Zusammenhalten, die durch kein Geld ersetzt werden können. Das Wissen um die eigene Kleinheit und um das, was zählt. Ich möchte euch für euer Leben eine schöne, weite, große Aussicht über alle Nebelmeere hinweg bieten.
2) Und ich bin, sagt die Kirche, ein Rastplatz für die Seele.
Setzt euch nur hie und da hinein. Die Kirche ist kein Lokal, das nur am Sonntag offen hält. Er ist immer da. Und, manchmal haben wir moderne Menschen nichts nötiger als einen Rastplatz der Seele. Wo das alles ausschwingen kann, was uns bedrückt und beschäftigt und wo man leise leise, wie einen fernen Bach, die Ewigkeit rauschen hört, und mit der Ewigkeit jene Liebe, die nie aufhört.
3) Und dann sagt die kleine Kirche - ich habe viel erlebt, ich bin wie ein Krug, der die Tränen der Jahrhunderte gesammelt hat.
Wie ich gebaut wurde, hat drunten in Pontlatz die erste Schlacht getobt. Und jedes Mal habendiese Kriege Leid und Elend und Armut gebracht. Ich habe das Weinen der Weisen und die Seufzer der Frauen, Mütter und Geschwister gehört, wenn in den Kriegen wieder einmal die Nachricht gekommen ist, dass einer gefallen ist. Und Krankheiten sind übers Land gezogen, und es war ein hartes Leben und ein karges Leben. Wie ich ein Kind war, war der Verschuldungsgrad und die Not vieler kleiner Bergbauern erschütternd. Die Kirche hat das alles aufgesogen, und darum weiß sie, was Gottvertrauen bedeutet und der Halt im Glauben. „Ich bin ein Krug“, sagt die Kirche von Hochgallmigg, „der die Tränen der Jahrhunderte gesammelt hat“
4)Und ich bin auch eine Schatzkammer.
Ihr habt ein wunderschönes Kirchlein, wenn man von unten zum schlanken Turm heraufschaut, dann hat man das Gefühl ein typisches Tiroler Bergkirchlein vor sich zu haben, wie aus dem Bilderbuch. Und so schön wie heute war es sicher noch nie. Es kommt jetzt auch zur Geltung, was der besondere künstlerische Schatz ist: Die Altäre von Josef Bachlechner. Wenn man die Kunstgeschichte aufschlägt und nach den Werken dieses Tiroler Meisters sucht, steht Hochgallmigg an erster Stelle, und dann folgen viele andere Altäre - Bis hinüber nach Amerika. Bachlechner hat einen sehr heimatverbundenen Stil entwickelt. Er war ja auch eng mit dem Volksdichter Reimichl befreundet, damit habt ihr einen Schatz.
5) Aber die renovierte Kirche will euch, liebe Gallmigger, noch etwas anderes zuflüstem: „Ich muss euch daran erinnern“, sagt die Kirche, „dass auch bei euch , der HochgaIlmigger Pfarrmeinde, manches erneuert werden muss.“ Schöne Kirchen rufen nach lebendigen Pfarrgemeinden. Die Zeiten ändern sich. Auch Hochgallmigg ist keine Bergbauernidylle mehr. Die meisten pendeln aus, anders könnte man auch gar nicht leben. Es wird fast jedes Haus ein Auto haben. Und wahrscheinlich gibt es hier auch alle Probleme, wie sie halt in unserer Zeit überall sind. Und in der Kirche ist die Zahl der Priester zurückgegangen - das ist kein Geheimnis. Aber die Sache Jesu muss weiterleben, und sie lebt weiter, und es gibt mehr Eigenverantwortung, eigene Gottesdienstgestaltung, und ihr habt einen tüchtigen Diakon - und so ist Hochgallmigg auch ein wenig ein Modell für die neuen 0rganisationsformen in der Kirche. Und ich bin. überzeugt, dass dieser schöne Raum hier voller Leben sein wird. Und, euer alter Herr Pfarrer, den ich im Altersheim in Landeck oft besucht habe, wird, euer Fürbitter im Himmel sein, dass der Glaube in Hochgallmigg lebt und blüht.
„Darum“, sagt die neue alte Kirche, „muss ich euch daran erinnern, dass auch ihr, die Christen immer wieder eine Renovierung und eine Aufgeschlossenheit für neue Wege braucht.“
Ich möchte euch, allen danken, dem Herrn Diakon, dem Pfarrgemeinderat und dem Pfarrkirchenrat, der Fraktion und der Gemeinde, allen die mitgeholfen haben, und allen, die ihre Kunst und ihr handwerkliches Können hier wieder von neuem unter Beweis gestellt haben. Ich. hoffe, dass ihr an dieser Kirche eine so helle Freude habt, wie ich

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