Bischof Stecher Gedächtnisverein

Bischofswort zur Pfarrgemeinderatswahl

1. Jänner 1992

Liebe Gläubige!

In diesem Jahr trifft es die Pfarrgemeinderatswahlen. Die Terminwahl war diesmal wirklich nicht einfach, weil man vieles berücksichtigen musste. Und die von den äußeren Umständen gegebene Nähe politischer Wahlen empfinden wir nicht als ganz ideal. Aber inzwischen ist uns in unserer Heimat schon längst klargeworden, dass kirchliches und politisches Gemeindeleben zwar beide an einer gemeinsamen menschlichen Welt arbeiten, aber in ihren Zielsetzungen doch ganz eigenständig sind. Vielleicht könnte man sagen: mit den Gemeindewahlen wählt man die Köpfe, mit den Pfarrgemeinderatswahlen das Herz des Gemeinwesens. Im Pfarrgemeinderat geht es um die Erhaltung des Glaubens, der tiefen Überzeugungen, der Weitergabe der tragenden Werte, der tiefen Motivation für ein Miteinander und Füreinander.

Ich weiß aus den elf Jahren meiner Tätigkeit als Bischof, dass die Kirche ohne Pfarrgemeinderäte nicht denkbar ist. Gerade in der Stunde einer schwindenden Priesterzahl nicht. Und ich weiß, dass die Kirche auf das Mitdenken und Mittragen von unten angewiesen ist, bis hinauf zu meinem Amt. Es ist mir noch bei jedem Visitationsbesuch eine Freude gewesen, am· Abend ein paar Stunden mit dem Pfarrgemeinderat zusammenzusitzen, und manches habe ich dort zu hören bekommen, das bis in die Leitung der Diözese Einfluss genommen hat.

So bitte ich um ein Doppeltes: zunächst um eine rege Beteiligung an der Wahl. Alle fünf Jahre einmal kann man diese Mühe schon aufwenden. Es geht um eine von möglichst vielen getragene Repräsentanz der Pfarrgemeinde.

Und zum zweiten bitte ich darum, sich als Kandidatin oder Kandidat zur Verfügung zu stellen, wenn man darum gebeten wird, und dann auch mitzuarbeiten. Die große Versammlung der Pfarrgemeinderäte der Diözese im Kongresshaus in Innsbruck ist für mich unvergesslich geblieben. Ich habe an jenem Abend dem Herrn für diese Kirche aus ganzem Herzen gedankt.

So wünsche ich allen Pfarreien eine gute Wahl und nach der Wahl gute Zusammenarbeit!

Mit Gruß und Segen

 

Euer Reinhold Stecher

Bischof von Innsbruck

12. Jänner 1992

 

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