Bischof Stecher Gedächtnisverein

Hirtenbrief zur Adventopferaktion "Bruder in Not"

15. November 1988

Liebe Gläubige!

Alle Jahre häufen sich um diese Zeit an einem Postamt Oberösterreichs die Briefe und Karten aus dem In- und Ausland, die unbedingt als Absenderstempel das Wort „Christkindl“ haben möchten. Es wird wohl nicht gar so viel Post geben, die als Absender wirklich das Christkind, den liebenden und die Welt umarmenden Gott, beanspruchen kann. Haltet mich bitte nicht für anmaßend oder eingebildet, wenn ich für diesen alljährlichen Hirtenbrief diesen Absender mit allem Ernst beanspruche. Ich bin überzeugt, dass diese Bitte für die Ärmsten der Armen der Herr selber als Absender unterschreibt - Er, der die Kranken geheilt, die Mütter und Kinder gesegnet und die Hungernden gespeist hat.

Und weil ich mir der Unterschrift des Herrn für das, um was ich hier bitte, sicher bin, darum getraue ich mir auch, wieder an Euch heranzutreten und lästig zu werden und zu sagen: Bitte helft!

Es geht konkret um ein Projekt in Uganda, wo in einem weitgehend kriegszerstörten Land eine Station für Mütter geschaffen werden. soll. Wenn ich daran denke, was die Rettung einer Mutter für eine Familie bedeutet, dann kommt mir der für diese Station notwendige Betrag fast lächerlich vor, wenn damit vielen Müttern das Leben gerettet werden kann.

Das zweite Projekt führt nach Brasilien, jenes Land mit den drückenden Problemen, in dem die Inflation manchmal an einem Tag so hoch wie bei uns das ganze Jahr ist und in dem es so rücksichtslose Formen der Ausbeutung gibt, dass man dunkle Wolken am Horizont dieses Riesengebietes heraufziehen sieht, das hundertmal so groß wie Österreich ist. Jedes soziale Auf-die-Beine-Helfen ist dort auch ein Beitrag zum Frieden. Es geht konkret um eine Hilfe zur Selbsthilfe im Amazonasgebiet, d. h. um das Zur-Verfügung-Stellen von Motorsägen, Nähmaschinen, Schulbeihilfen und Medikamenten - und das Ganze kostet etwa so viel wie zwei Maschinengewehre.

Das dritte Projekt wandert in ein anderes Krisengebiet der Welt. In Swaziland, Südafrika, gibt es dringende soziale Probleme infolge eines geringen Pro-Kopf-Einkommens der Bevölkerung und schlechter Verdienstmöglichkeiten im eigenen, sogenannten Homeland. Ein Tiroler Missionar, P. Kuppelwieser, startet dort eine Aktion, die das Lebensniveau einer Reihe von Familien heben will. Sie arbeiten alle fleißig mit. Es geht um die Anlage von Wassertanks für die Sammlung von Regenwasser, das Pflanzen von Gemüsegärten, Obstbäumen, die Haltung von Hühnern und Hasen. Ich weiß, das klingt gar nicht großartig, aber für die Leute dort ist das ein Stück neues Leben, und es ist viel gescheiter, so etwas zu machen, als einfach ein paar Lebensmittel zum Verteilen hinzuschicken. Wir geben hier die Starthilfe.

Weitere Hilfen betreffen Projekte in den Elendsvierteln von Cochabamba in Bolivien und schließlich Soforthilfe für·die großen Katastrophenplätze der Erde: Bangladesch und Sudan. Aber darüber brauche ich nicht viel zu erzählen, da hat „Zeit im Bild“ schon mehrmals dankenswerter Weise die eindrucksvolle Information übernommen.

Und den von allen Seiten in allen Sprachen der Erde hereinströmenden Dank übersetze ich jetzt schon in ein schlichtes, tirolerisches „Vergelt's Gott“!

 

1. Adventsonntag 1988

Reinhold Stecher

Bischof von Innsbruck

 

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