Bischof Stecher Gedächtnisverein

2. Innsbrucker Gipfelgespräch

Franz Fischler – Europäer mit Herz und christlichen Wurzeln

Nach Bischof Hermann Glettler war Dr. Franz Fischler Gast beim Innsbrucker Gipfelgespräch. Auf der Seegrube nimmt er Stellung zu aktuellen politischen Entwicklungen, erzählt vom Leben auf dem Bauernhof, warum er nicht Priester geworden ist und wie er sich eine enkeltaugliche Zukunft vorstellt. 

Franz Fischler präsentiert sich den Gästen gut gelaunt. Im Gespräch mit den Chefredakteuren Mario Zenhäusern (TT) und David Runer (ORF Tirol) plaudert der 72-jährige Absamer aus der Schule, mit Anekdoten aus seinem beruflichen und privaten Umfeld sorgt Fischler immer wieder für Lacher. Es eile ihm der Ruf voraus, dass er grantig werde, wenn er nichts Gescheites zu Essen bekomme. Deshalb habe man ihn in seiner Zeit als EU-Kommissar (1995-2004) immer in die besten Lokale geführt. Das habe sich doppelt ausgewirkt, auf seine körperliche Verfassung und die diplomatischen Beziehungen, so Fischler.

Auf die aktuellen politischen Entwicklungen nach Ibizagate und Misstrauensantrag im Parlament  angesprochen, erklärte Fischler, dass er bereit gewesen sei, den Übergangskanzler zu machen, „wenn man mich gefragt hätte“. Er sei aber froh, dass die Wahl auf Brigitte Bierlein gefallen sei. „Eine gute Wahl“, so Fischler, der davon ausgeht, dass alle Parteien bis zur Wahl im September „mit gleich langen Spießen kämpfen“ und der hofft, dass „endlich wieder über Inhalte“ geredet wird. Die EU-Wahl habe aber gezeigt, „dass es nicht reicht, nur Fragen von Asyl, Migration und Sicherheit zum Thema zu machen.“ Die neue Regierung werde sich vor allem mit Umwelt- und Klimapolitik befassen müssen, wenn sie junge Menschen ansprechen möchte.

Franz Fischler beantwortete aber auch ganz persönliche Fragen. Ja, er sei mit fünf Geschwistern auf einem kleinen Bauernhof in Absam aufgewachsen, als Nachkriegskind in einfachen, bescheidenen Verhältnissen. Der Vater sei schon relativ jung im Alter von 52 Jahren gestorben, seine Mutter und seine Großmutter hätten ihn streng katholisch, aber auch mit viel Herz erzogen. Er hätte Bauer werden und den Hof übernehmen sollen, habe aber als einziger Bub der Familie Fischler das Gymnasium besucht und sei nach der Matura nach Wien gegangen, um an der Hochschule für Bodenkultur zu studieren. Die Großmutter habe dann zwar noch gehofft, dass  er Theologie studieren und Priester werden würde, das sei aber kein Thema gewesen, auch wenn er sich in der Katholischen Hochschulgemeinde engagiert und der Kirche immer verbunden gefühlt habe, so Fischler. Mit der Institution Kirche habe er, wie er sagt, „keine Probleme“, auch wenn er mit der Lehre nicht in allen Punkten übereinstimme. Aber, so Fischler, „zu einer christlichen Grundhaltung gibt es keine Alternative.“ Den Papst bezeichnet Fischler als „prophetischen Typen, sehr politisch, manchmal etwas oberflächlich.“  Mit seinen Symbolhandlungen rege Franziskus zwar zum Nachdenken an, den Zeichen und Gesten müssten aber auch konkrete Taten folgen, um wirklich etwas zu verändern.

Fischler hat sich übrigens schon früh sein eigenes Geld verdient. Deshalb habe er auch schon als Jugendlicher ein Moped besessen. Da habe er dann auch Mädchen mitnehmen können, zum Leidwesen der Vorgesetzten im Franziskanergymnasium, „die das gar nicht gerne gesehen haben.“

Franz Fischler wurde aber auch gefragt, wann und wo ihm das Herz aufgeht. Da gäbe es einiges, so Fischler, in der Natur, im Theater, vor allem aber im Kreis seiner Familie, im Kreis von Kindern und Enkelkindern. „Das tut mir gut, das tut uns allen gut.“ Apropos Kinder. Fischler wünscht sich eine „enkeltaugliche Politik“, eine Politik,  die gesamteuropäische Lösungen suche und nicht nationalstaatliche Interessen verfolge. Er brenne für eine umweltfreundlichere, öko-sozialere, solidarischere Politik und werde weiter Initiativen und Projekte fördern, die dazu beitragen, die Welt ein kleines Stück gerechter und besser zu machen. Und Fischler verspricht, künftig auch die Arbeit des Gedächtnisvereins zu unterstützen. In Verbundenheit mit Bischof Stecher, „den ich gut gekannt und immer sehr geschätzt habe.“

Foto Gipfelgespräch: TT/Böhm

powered by webEdition CMS