Bischof Stecher Gedächtnisverein

Bischof Glettler – auch ein Stecher-Fan

Offen, kreativ, mutig. So beschreibt Hermann Glettler einen seiner Vorgänger. Er kenne und schätze Reinhold Stecher und sei stolz, gerade in seiner Diözese Bischof zu werden.

Bischof Hermann Glettler - Diözese InnsbruckSchon bei seinem Antrittsbesuch in Innsbruck steigt der 52-jährige Steirer in die Krypta des Doms hinunter, um vor dem Grab zu beten und um Beistand von oben im Bischofsamt zu bitten: „Lieber Reinhold, schau auf deine Diözese, schick uns etwas von deinem wachen Geist.“

Es wird wohl die Offenheit für die Menschen und die Aufmerksamkeit für ihre Sorgen und Nöte sein, die Glettler mit Stecher verbindet. Barmherzigkeit dürfe nicht nur ein Schlagwort sein. Es gelte, was schon Stecher formuliert hat: „Die Dominante der Verkündigung muss die Weise vom barmherzigen Gott sein, und alles moralische und soziale Bemühen ist ein Echo auf diese Melodie.“

Der Mensch ist der Weg der Kirche 

Wie der neue Bischof „tickt“, was ihm am Herzen liegt und wofür er brennt, das zeigt ein Bericht aus der Grazer Stadtpfarre St. Andrä, den wir hier kurz zitieren dürfen. Hermann Glettler schreibt schon 2009:

„Weil Gott ohne Abstriche Mensch geworden ist, muss die Kirche im Glauben an ihn weltweit eine aktive Anwaltschaft für den Menschen übernehmen und zwar sowohl für den ausgebeuteten Menschen in den Ländern, wo die Ungerechtigkeit  zum  Himmel  schreit, auch in den Ländern der nördlichen Hemisphäre, wo der einzelne Wohlstandsbürger sich oft in einer eigenartig   lethargischen Zuschauerposition befindet.

Christ sein bedeutet jedenfalls ein leidenschaftliches Interesse für den Menschen von heute zu haben! Das ist nach meinem Verständnis auch der Grundansatz von Kirche als Gemeinschaft derer, die erfüllt vom Geist Gottes sich nicht mehr nur um das eigene Glück und Wohlergehen kümmern wollen. Kirchliche Reife erlangt ein Mensch, der nicht nur sein eigenes Seelenheil sucht. Er lebt in der grundsätzlichen Verbundenheit mit Gott, der in der menschlichen Person des Jesus von Nazaret sein wahres Gesicht gezeigt hat.

Der Bezirk, in dem sich unser Pfarrgebiet befindet, war und ist seit Jahrhunderten ein Umschlagplatz für Ankömmlinge, Vergnügungssuchende und Gestrandete. Märkte, Bordelle, Gefängnisse und Spitäler erzählen eine beredte Geschichte. Schon seit vielen Jahren war es deshalb für die Caritasarbeit in unserer Pfarre klar, dass man keine Unterschiede  macht,  welcher  Nationalität und Religion ein Hilfe suchender Mensch angehört.

Barmherzigkeit ist zum Glück kein Fremdwort. Ich bin stolz darauf, dass man Kirche an der Caritas erkennt. Es gibt sie, die vielen Christen, Frauen und Männer, die beruflich oder ehrenamtlich ihre Zeit und Energie für andere einsetzen. Dies zu tun, obwohl es scheinbar immer ein Zuviel an unbewältigbarer Not, an Ungerechtigkeit und Ausweglosigkeit gibt, ist ein Zeichen für Gottes Gegenwart. In den Armen ist in besonderer Weise Christus unter uns gegenwärtig, wie er selbst ausdrücklich bestätigt hat (Mt 25): Ich war hungrig und durstig und ihr habt mich versorgt; ich war im Gefängnis und ihr seid zu mir gekommen; ich war heimatlos und ihr habt mich aufgenommen … Er selbst hat sich der Schwachen angenommen, die Aussätzigen umarmt und die gesellschaftlich Unbeachteten in die Mitte gestellt. Wer an ihn glaubt, ist in seiner Schule. Caritas bleibt ein Dauerauftrag für die Kirche, die zum Glück in der Sorge um den Menschen nicht allein ist. Der gefährliche Smog einer geistlosen Geiz-ist geil-Haltung vermag die Menschlichkeit nicht zu ersticken.“

 

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