Bischof Scheuer erinnert an Bischof Stecher als einen „Wegweiser im Glauben“. Hunderte Gläubige beim Gedenkgottesdienst.
Hunderte Gläubige folgen der Einladung von Bischof Manfred Scheuer und des Bischof- Stecher-Gedächtnisvereins und feiern im Dom zu St. Jakob gemeinsam einen Gedenkgottesdienst.
In seiner Predigt würdigt Bischof Manfred seinen Vorgänger als einen Menschen, der uns in Vielem Vorbild und Wegweiser sein kann. „Bischof Reinhold hat das Buch der Natur gelesen und erschlossen. Die Natur ist nicht nur Ort des Trainings und der Fitness, auch nicht nur der Ästhetik, sondern sie trägt die Spuren Gottes. Bischof Reinhold hat vielen Menschen geholfen, die Abstumpfung, die Stumpfsinnigkeit und damit auch eine Form der Dummheit zu überwinden“.
Im Buch des Humors und der Freiheit gelesen
Und weiter: „Reinhold Stecher hat auch das Buch des Humors und auch der Freiheit gelesen und geschrieben. Er hat durch seine Karikaturen und auch durch seine Deutungen Freiräume und Spielräume in demprimierenden Situationen und Phasen der österreichischen Kirche erschlossen... Weil er die absolute Rechtlosigkeit in Zeiten des Staatsterrors erfahren hat, war er ein leidenschaftlicher Verfechter und Verteidiger des Rechtsstaates, auch und gerade gegenüber denen in der Kirche, die meinten, dass der Gegensatz zum Recht die Liebe sei. Aber das Gegenteil von Recht ist nicht die Freiheit und die Liebe, sondern das Unrecht, die Barbarei, die Willkür und die Unterdrückung.“
Nach Bischof Scheuer hat der vor zwei Jahren verstorbene Stecher etwas von der größeren Gerechtigkeit im Sinn der Bergpredigt verwirklicht: „Er hat Menschen mit Behinderung Räume der Beziehung und der Freundschaft geöffnet, er hat Brunnen ermöglicht, deren Wasser Leben gespendet und gerettet haben. Und er hat nicht einfach Recht haben und Recht behalten wollen, sondern die Versöhnung gesucht.“
Bischof Scheuer verweist auf ein aktuelles Thema, bei dem Bischof Stecher schon vor Jahren Haltung gezeigt hat. Als der Innenminister 1990 die Abschiebung von 7000 Rumänen ankündigt, spricht er sich entschieden dagegen aus. Er empfinde „die Idee einer Deportation als ungeheuerlich. Vielleicht habe ich zu lange in der Diktatur gelebt.“ Bischof Stecher hat schon 1993 die Petition von SOS-Mitmensch gegen die Verschärfung der Asylgesetzgebung unterzeichnet – auch in diesem Punkt kann er uns heute Vorbild sein, so Bischof Scheuer in seiner Ansprache beim Gedenkgottesdienst.
Kurzporträt Reinhold Stecher
Reinhold Stecher wurde am 22. Dezember 1921 in Innsbruck geboren. 1947 wurde er in Schwaz zum Priester geweiht, die Bischofsweihe erfolgte am 25. Januar 1981, rund einen Monat nach seiner Ernennung durch Papst Johannes Paul II. Stecher leitete die Diözese bis 1997. Ihm folgte Bischof Alois Kothgasser, heute emeritierter Erzbischof von Salzburg, danach Manfred Scheuer. Zuletzt lebte Stecher in Hochrum. Er verstarb am 29. Jänner 2013. Unter großer Anteilnahme der Tiroler Bevölkerung wurde Stecher am 2. Februar in der Krypta des Domes zu St. Jakob beigesetzt.