Bischof Stecher Gedächtnisverein

Die kleine Symphonie der Heimat

Vortrag, „Lange Nacht der Kirchen“ 2009, Pfarre Mariahilf I Innsbruck 2009

Wenn in der „Langen Nacht der Kirchen“ in unserem Land auch das Thema „Heimat“ angesprochen werden soll, dann wüsste ich mir keinen besseren Platz dafür, als dieses Gotteshaus. Die Kirche von „Mariahilf“ wurde zum Dank für die bewahrte Heimat nach dem dreißigjährigen Krieg errichtet. Und es ist hier sicher das einzige Hochaltarbild in Tirol, das die Tiroler Landstände in Dankbarkeit vor dem Bild Mariens zeigt. In diesem Jahr ist bei uns das Wort „Heimat“ in aller Munde – und zwar mit ganz verschiedenen Untertönen: Vergangenheitsselig und zukunftsgerichtet, pathetisch-patriotisch und kämpferisch-national, sentimental-kitschig und sozial engagiert, sorgenvoll-kritisch und glücklich dankbar. Und wegen der Vielschichtigkeit dieses Wortes erlaube ich mir, das Thema „Heimat“ nun in der Form einer kleinen Symphonie zu behandeln – mit verschiedenen Sätzen.

Ich beginne mit einem dumpfen Paukenschlag und seinem langen Wiederhall, setze mit Volkslied und Glockenklang fort, muss im dritten Satz einige Misstöne und Disharmonien aufarbeiten, erinnere im vierten an eine moderne Variation des alten Themas und schließe mit einem Finale.



Der Paukenschlag



Es geschah in einer Deutschstunde in unserem Gymnasium in Innsbruck in den Dreißiger-jahren. Unser Deutschlehrer hatte eine besondere Begabung, Gedichte einprägsam vorzutragen. Und so las er ein Gedicht von Friedrich Nietzsche. Es war ein düsteres Lied von einem grauen Wintertag – und schloss mit dem Refrain: „Weh dem, der keine Heimat hat!“ Nietzsche hat damit wohl seinen eigenen Seelenzustand zum Ausdruck gebracht, aber er hat nicht geahnt, dass er damit für das 20. Jahrhundert, das vor ihm lag, sozusagen prophetisch eine düstere Hymne geschrieben hat. Kein Jahrhundert der Weltgeschichte hat so viele Verjagte, Vertriebene, Ausgesiedelte, Umgesiedelte, Deportierte, Displaced persons, Flüchtlingsströme und Ausgerottete hervorgebracht wie das zwanzigste. Die Zahlen, die seinerzeit die Völkerwanderung bewegt hat, sind dagegen eine Kleinigkeit. Aber dieses Jahrhundert hat nicht nur die größte Zahl derer produziert, die die äußere Heimat verloren haben. Es hat sicher auch die größte Zahl von seelisch Entwurzelten, Verunsicherten, innerlich Unbehausten, Isolierten, Vereinsamten, sich in der Masse verloren Fühlenden und der tragenden Werte Beraubten auf der Strecke bleiben lassen.

In dieser Epoche des größten Fortschritts sind auch gewaltige entbergende Mächte aufgebrochen. Da ist der verwirrende Pluralismus der Gesellschaft, kombiniert mit den gewaltig gewachsenen technischen Möglichkeiten der Kommunikation, die den „maßlos informierten Menschen“ geschaffen haben, wie ihn Steinbuch in seinem bekannten Buch genannt hat. Da gab es die Diktaturen, die alle diese Möglichkeiten mit dem totalitären Staat verbanden – und da haben wir heute in der freieren Welt mächtige Instrumente der Beein-flussung, geheime Diktaturen von Mode und Zeitgeist und politischen und wirtschaftlichen Interessen. Es ist nicht verwunderlich, wenn das Ergebnis sehr oft eben nicht der aufgeklärte und selbstständig denkende Mensch ist, sondern der fremdgeleitete, heteronome Massenmensch, der so leicht den inneren Kompass seines Handelns verliert.

Zu den entbergenden Mächten unserer Zeit gehört sicher auch die Brüchigkeit menschlicher und familiärer Bindungen. Entbergend ist auch so mancher Trend in der Kulturszene, wenn in Bühne, Bild, Wort und Film das Ausweglose, Belastende, Schockierende, Brutale, Unmenschliche und Hässliche akzentuiert wird. Es gibt viele entbergende Ströme in unserer Welt, die dem Menschen die Heimat des Herzens und den inneren Halt rauben können. Der Refrain Nietzsches „Weh dem, der keine Heimat hat“ ist also der Satz mit dem Paukenschlag und dem Jahrhundertecho des äußeren und inneren Heimatverlustes für viele.



Der zweite Satz in der kleinen Symphonie zur Heimat ist anderer Art. Er ist wie



Volkslied und Glockenklang.



Es ist kein Zweifel, dass in unserem Land das Wort „Heimat“ doch bei vielen Menschen eine ganze Woge von positivem Gefühl auslöst. Da schwingt Geschichte, vertraute Landschaft, Brauch und Volksmusik, Tracht, Verein und menschliche Verbundenheit mit. Und wenn wir den Blick nur erheben über unsere an Geschichte und Kultur reiche Stadt, dann erschließt sich uns ein einmalig schönes Land mit all den lieben Eigenschaften und Besonderheiten der Talschaften vom Paznaun bis ins Sarntal, vom Wilden Kaiser bis zum Latemar. Es ist keine

Übertreibung, wenn ich hier von einem ausnehmend starken Heimatbewusstsein spreche. Das Allensbacher Institut in Deutschland hat vor Jahren eine Untersuchung für alle Länder Deutschlands und Österreichs gestartet, in der gefragt wurde, wie sehr oder wie wenig sich die Bewohner eines Landes mit diesem identifizieren, wie gerne sie also Niedersachsen, Hessen oder Steirer sind. In dieser Befragung lag die Quote in manchen Ländern Deutsch-lands bei 22%. Hingegen haben 84 % der Bewohner erklärt, dass sie gerne Tiroler seien und froh seien, hier leben zu dürfen. Nordtirol lag damit an der Spitze. Der Allensbacher Kommentar hat damals darauf hingewiesen, dass ein derart lebendiges Heimatgefühl immer auch ein Gradmesser für andere menschliche Werte sei. In diesem zweiten Satz ist also wirklich Volksweise und Glockenklang- und nicht überall wird dieser Satz der Symphonie der

Heimat so forte und vivace gespielt. Dieses Heimatgefühl hat natürlich eine sehr stark nostalgisch-historisch-landschaftliche Komponente.

Bergwelten verstärken Heimatgefühle. Jeder Stein, jede Mauer, jeder Turm weiß Geschichten zu erzählen. Es gibt eine Flut diesbezüglicher Literatur und wissenschaftlicher Untersuchungen, Dorfbücher, Bildbände und Veröffentlichungen – und das alles hat das Wissen um die vertraute Umwelt verstärkt. Vielleicht müsste man aber doch bedenken, dass in der jungen Generation dieses Heimatgefühl teilweise doch eine Veränderung erfährt und erfahren muss. Der Horizont unserer jungen Generation weitet sich. Ich denke da an einen Besuch in einem renommierten Fremdenverkehrsort. Vor einem mit allem Komfort ver-sehenen Vierstern-Hotel sitzt ein alter Mann mit der Pfeife auf einer Bank. Wie ich ein Kind war, stand an der Stelle noch der kleine, ein wenig windschiefe Hof mit fünf Stück Vieh. Der Sohn hat dann das Gasthaus errichtet, der Enkel hat es zum Sporthotel ausgebaut. Der Urenkel ist derzeit auf Hotelpraxis an der Côte d’Azur, und die Urenkelin praktiziert in Miami. Was ist da in einem Menschenalter geschehen! Der alte Mann mit der Pfeife hat noch das Bergheu auf dem Buckel in den Stadel getragen … Und die Jungen? Es ist klar, dass ihr Heimatverständnis ein wenig von der romantisch-nostalgischen Prägung abrückt. Aber deshalb muss es nicht sterben.

Ich glaube, dass es die Aufgabe der jungen Generation sein wird, die Bejahung der Heimat mit einem Flair von Weite und Offenheit zu verbinden, ohne die bei überkommenem Heimatverständnis gar nicht seltene provinzielle Überheblichkeit und verachtende Ab-lehnung des Fremden, so nach der Melodie: „Bist a Tiroler, bist a Mensch.“ Die Heimatliebe von morgen wird eine weite und tolerante sein müssen. Aber damit leiten wir schon über zum dritten Satz der Symphonie. Er geht um die Bewältigung von



Misstönen und Dissonanzen.



Sie haben des Öfteren die edlen Heimatgefühle verdunkelt und getrübt. Man kann es schon im Aufbruch dieser Gefühle im Zeitalter der Romantik spüren. Selbstverständlich war 1809 ein besonderes Heimatgefühl, voll der Bedrohung und der Abwehr dieser Aggression und der Gefahr, in den Menschen lebendig. Aber wir dürfen nicht vergessen, im Menschen ist seit Urzeiten mit der Bewahrung des Vertrauten auch der Horror vor dem Fremden da. Und so war mit dem Bewusstwerden von Heimat auch die Gefahr der Ablehnung und der Ver-achtung der anderen, der Fremden da, aus der Kultur der Heimat wurde ein Heimatkult, gepaart mit Überheblichkeit und Nationalstolz. Und wir wissen, zu welchen Tragödien des Jahrhunderts diese Strömungen geführt haben. Diese Art von Heimatbesitzgefühl hat das Heimatverständnis des Anderen, des Anderssprachigen nie verstanden und verstehen wollen, auf allen Seiten, und in ganz Europa. Südtirol kann zu diesem Satz der Symphonie

eine besonders tragische Variation beisteuern. Das Heimatpathos erreichte den Gipfel der Pervertierung in der unseligen Blut- und Boden-Ideologie, die letztlich nur noch ein heroisch verklärter biologischer Materialismus war. Ich habe sie alle noch im Ohr, die Sprüche und Gesänge meiner Kindheit und Jugend, die alle Heimat mit Aggression und Verachtung verbunden haben. Es musste viel Blut fließen, bis diese Ideologien unter dem Boden waren. Bei manchen klingen sie immer noch nach, die Lieder vom Adler, der „vom Feindesblute rot ist“, das „Salve, popolo d’eroi, salve o patria immortale“, und das Lied vom „Gott, der Eisen wachsen ließ, weil er keine Knechte wollte.“ Das waren Dissonanzen, die im 19. Jahrhundert begannen und im 20. unerträglich wurden.

Es gibt noch einen anderen Misston um das Thema Heimat – sicher harmloser, aber doch auch entwertend in seiner Wirkung: Das schöne Wort „Heimat“ ist streckenweise in die Kitschkiste gefallen, oder um in unserer Sprache zu bleiben, in den sentimentalen Schmalz-hafen. Hierher gehört die Wilderertragödie mit dem Herzschuss neben dem gefällten Sechzehnender. Und Hansls wehmütiges Waldhornecho von der Ochsenwand nach der zerbrochenen Liebe. Und die vorgetäuschte Urwüchsigkeit in der Bar der Nobelherberge. Und so mancher Tirolerabend. – Ich bitte um Entschuldigung, ich bin nämlich ein Geschädigter. Ich hatte durch 25 Jahre in Innsbruck eine Wohnung. Zwei Häuser weiter war ein großes Lokal, wo jeden Tag ein Tirolerabend stieg, bei offenen Saalfenstern, zehnmal, zwanzigmal, hundertmal. Ich konnte meine Uhr danach stellen. Um 22 Uhr kamen die Kuhschellen, um 22.15 trampelte der Watschentanz, um 22.30 verebbte der letzte Schmalz-jodler. Bis 23.30 dauerte es, dass der letzte alkoholisierte Gast im Bus verstaut war. Ich sage Ihnen, in diesen Jahren wurde meine Heimatliebe auf eine harte Probe gestellt. Heimat und Kommerz kann zu einer gefährlichen Paarung werden.

Beide Dissonanzen – die nationalistisch-aggressiv-verachtende und die unecht-sentimental- verlogene haben den Heimatgedanken in eine gewisse Krise gebracht. Als ich nach dem Zweiten Weltkrieg in der Lehrerbildung tätig war, musste ich feststellen, dass „Heimat“ aus den Lehrplänen weitgehend gestrichen war. „Heimat“ teilte das Schicksal missbrauchter Werte. In manchen sich fortschrittlich fühlenden erziehungswissenschaftlichen Kreisen galt Heimat als faschistoider Begriff, konservativrückständiges Erbe. „Heimatkunde“ wurde zum „Sachunterricht“. Da ich damals einen Sachkatalog zu allen pädagogischen Problemen erarbeitet habe, weiß ich, wie im deutschen Sprachraum die Einstellungen waren. Die Misstöne rund um das Thema „Heimat“, die Verzerrungen und Dissonanzen hatten diesen Wert korrumpiert. Aber dieser dritte Satz ist nicht der letzte.

Es begann auf einmal eine Renaissance des Heimatbegriffes, und zwar aus einer Ecke, aus der man es eigentlich gar nicht so erwartete.

Es war wie die Bearbeitung eines alten Themas in modernen, herberen, aber anspruchs-volleren Weisen.



„Heimat“ in den Humanwissenschaften.



In den anthropologischen Wissenschaften begannen auf einmal Forschungen und Gedanken stärker um Themen wie „Identitätsverlust“, „Identitätsfindung“, „Entfremdung“ und „Ge-borgenheit“ zu kreisen. Die Verhaltensforschung erkannte, angefangen vom höheren Tierreich, dass das Lebewesen eine Nische braucht, eine Höhle, einen Bau, ein Reduit, einen Raum der Sicherheit, vor allem in der Kindheit, aber auch später, und dass das auch in ver-stärktem Maße für das Menschenkind und den Menschen gilt. Der Mensch braucht in er-weitertem Sinn den geschützten Raum, die Atmosphäre des Vertrauten. In jener Psychologie, die sich um den ganzen Menschen bemüht, sprach man von der Wichtigkeit des „Urvertrauens“ (Fromm). Der Pädagoge der Existentialphilosophie, Bollnow, beschwor das „Seinsvertrauen“. Der Schweizer Paul Moor, der die große zweibändige „Heilpädagogische Psychologie“ geschrieben hat, widmet den Großteil eines Bandes dem „Inneren Halt“, der im geschädigten Menschen aufgebaut werden müsse. Auch die Bemühungen Viktor Frankls um Sinnfindung gehen in dieselbe Richtung. Obwohl der Mensch bekanntlich das mobilste, an-passungsfähigste, wagende, ins Unbekannte vorstoßende Wesen ist, braucht er doch ein Reduit, einen Raum von Frieden und Ruhen. Der Mensch ist das „riskierte Wesen“, wie ihn der Verhaltensforscher Eibl-Eibesfeldt genannt hat – aber auch der Wagemutigste braucht zu einem geglückten Menschsein ein Stück Sicherheit und Geborgenheit (bei Astronauten hat man bei der Auswahl ausdrücklich darauf geachtet, dass sie diesen emotionalen Hintergrund haben). Aus all diesen Erkenntnissen der anthropologischen Wissenschaften ergibt sich eine neue, tiefere, verinnerlichtere Sicht von Heimat.

Vielleicht darf ich Heimat so definieren: Ein kleines Stück vertrauter Welt, das von Liebe durchweht ist. Das ist noch mehr als die gängige, überkommene Heimatvorstellung, die doch sehr stark das äußere Ambiente des Menschen im Auge hat, die landschaftsgebundene, historisch-gewachsene, umweltvertraute, ästhetisch-kultivierte Seite. Das alles ist mit der modernen Sicht von Heimat nicht entwertet. Aber Heimat ist nun tiefer in die menschliche Existenz verlagert. Wir ahnen, dass ein Zigeunerkind, das eine liebende Mutter hat, im Wohnwagen Heimat erlebt, und der High-Society-Sprössling in der Luxusvilla am Traum-strand unter Umständen nicht. Bei dieser Heimat des Herzens spielen bergende Menschen, Nestwärme, gelungene Beziehungen, bergende Vollzüge, familiäre Kultur, Fest und Feier eine große Rolle.

Und der Rosengarten im Abendlicht, die heute so gepflegte Volksmusik und die Kunst, alte Instrumente neu erklingen zu lassen, das Wissen um die Geschichten, die um die Mauern dieser Burg kreisen, das Kaffeegeschirr, das noch von der Urgroßmutter stammt und das man pflegt, die Landschaft mit den vertrauten Bergrouten und Gipfeln, wo sich so viele Erinnerungen verbergen – das alles ist Zugabe, wunderbare Zugabe, für die wir dankbar sein sollen und für die wir als Heimatverbundene so viel Liebe und Sorgfalt aufwenden. Aber Heimat ist mehr als der äußere Rahmen.

Und hier dämmert uns auch, dass „Heimat haben“ mit einer gewissen stabilen Wert-landschaft in der Seele zusammenhängt. Man kann nicht gut Heimat erfahren, wenn man in allen Lebensfragen und Überzeugungen nur ein Getriebener, Verunsicherter, Fremdbe-stimmter, Manipulierter ist – wie es im Epheserbrief (4,14) heißt: „Ein Spiel der Wellen, hin- und hergetrieben im Widerstreit der Meinungen …“. So wie unsere äußere Heimat umgrenzt ist von Serles und Gantkofel, von den festen Silhouetten der Berge, so braucht auch die Innenseite meiner Existenz ein gewisses Maß gültiger, tragender Horizonte, und vor allem einen innersten Bereich des Versöhnt- und Geborgenseins.

Und damit gehen wir über ins Finale.



Darf ich es ganz ungeschützt und durchaus im Bewusstsein, dass mir nicht jeder Zuhörer zu folgen vermag, aber aus tiefster persönlicher Überzeugung aussprechen: Zu Ende gedacht werden kann die Vision „Heimat“ nur im Glauben. Und zwar nicht in jeder Art von Glauben, sondern nur im Glauben an einen bergenden Gott. Wenn wir schon in dieser Welt „Heimat“ als ein kleines Stück Wirklichkeit erleben, das von Liebe durchweht ist, dann bekommt das Wort Jesu, das er beim letzten Mahl vor seinen Jüngern ausgesprochen hat, eine besondere Strahlkraft: „Ich gehe hin, euch eine Heimat zu bereiten …“ (Joh 14,2).

Bei einem Besuch bei einer Sterbenden im Hospiz hat diese Frau zu mir gesagt: „Ich lass mich einfach in die Hände Gottes fallen …“. Hier ist das Thema „Heimat“ auf dieser Welt zu Ende gedacht. Und dass drüben die eigentliche Heimat beginnt, nicht nur als Teilbereich und ständig gefährdet wie hier, das ist eine Frage des Glaubens, des Glaubens an einen erlösenden, bergenden Gott, wie er sich in Christus zu uns neigt.

Und hier bekommt die letzte Strophe des Bozner Bergsteigerlieds ihren theologischen Hintergrund: „Und wenn dann einst, so leid mir’s tut, mein Lebenslicht erlischt, freu ich mich, dass der Himmel auch schön wie die Heimat ist …“.

Ich erinnere mich an eine Stunde an der Atlantikküste, in der Bretagne, wo ich von den immer wieder heranrollenden Wellen des Ozeans fasziniert war. Die Schaumkronen kom-men majestätisch und fast bedrohlich näher, werden sanfter, rollen über den Sandstrand aus, fast bis zu meinen Füßen – und ziehen sich wieder zurück. So ähnlich wird es wohl einmal sein – bald, mit 87 Jahren ist das kein Ferntraum. Eine Welle wird den Strand weiter heraufkommen und mich mitnehmen und dann hineinholen in den unendlichen Ozean der Liebe. Und das wird dann kein kleines Stück Dasein mehr sein, das von Liebe durchweht ist, sondern eine Ewigkeit. Das ist die zu Ende gedachte, oder besser zu Ende gebetete Heimat.



Das wäre also die kleine Symphonie mit fünf Sätzen:

Der Paukenschlag mit dem erschütternden Echo millionenfach zerstörter Heimat, das Volkslied und der Glockenklang des Heimatgefühls in unserem Land, die Dissonanzen und Misstöne in Nationalismen, Blut und Boden-Ideologie und Überheblichkeiten und der Verfälschungen in sentimentaler Verkitschung, die herbere Vertonung des Heimatgedankens in den Erkenntnissen moderner Anthropologie und Seelenkunde und das Finale der Heimat im Glauben, das alle Heimaterfahrung dieses Lebens nur ein Vorspiel sein lässt.



Vortrag, „Lange Nacht der Kirchen“ 2009, Pfarre Mariahilf, Innsbruck

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