Bischof Stecher Gedächtnisverein

Erstes Innsbrucker Gipfelgespräch auf der Seegrube

Bischof Glettler ruft dazu auf, Herz zu zeigen.

„Das sind natürlich viele Menschen, die mir am Herzen liegen. Menschen, die ich kenne, deren Geschichten ich begleitet habe, auch menschliche Erfolgsgeschichten, wo sich jemand aus seiner Krise heraus aufrichten konnte. Was liegt mir noch am Herzen? Wie es in der Stadt und in der Welt ausschaut, was aktuell in der Politik passiert, Entwicklungen in der Gesellschaft. Auch kulturelle Ereignisse versuche ich zu beobachten und manchmal auch dabei zu sein, da kann ich mich sehr erfreuen, eben auch an zeitgenössischer bildender Kunst. Das sind so kleine Ort, wo vom Himmel etwas aufblitzt. Was liegt mir noch am Herzen?  Eben mit meinem Leben möglichst dem Ruf Gottes treu zu bleiben und den Menschen, für die ich da sein darf, und in diese Welt etwas an Gutem hineineinzutragen und eine kleine, gute Spur zu hinterlassen.“

Was mir am Herzen liegt

Das Gipfelgespräch  steht unter der Überschrift „Was mir am Herzen liegt“. Es hält, was es verspricht. Die Gäste im Saal und jene, die das 1. Innsbrucker Gipfelgespräch im livestream von ORF Tirol verfolgen, werden bestens unterhalten. Zum einen von Bischof Glettler, der sich im Gespräch mit Mario Zenhäusern (Tiroler Tageszeitung) und Robert Unterweger (ORF) kein Blatt vor den Mund nimmt und auch kritischen Fragen nicht ausweicht, zum anderen von der Gruppe „Bluatschink“ aus dem Außerfern, die mit Titeln wie „Herz&Hira“ für Stimmung sorgt. 

Erstes Innsbrucker Gipfelgespräch - Bischof Stecher-Gedächtnisverein

Offen antwortete Bischof Hermann Glettler auf die Fragen von TT-Chefredakteur Mario Zenhäusern und Robert Unterweger (ORF-Tirol; r.).

Tirol lernen

Bischof Glettler beantwortet die Fragen mit der ihm eigenen Offenheit und Spontanität, schlagfertig und humorvoll und erntet dafür viel Applaus. Er erzählt von seiner Kindheit zuhause in der Steiermark, von Menschen, die ihn geprägt haben, Eltern, Religionslehrer, Künstler, und von wichtigen Begegnungen und Erfahrungen, etwa von seiner Reise nach Syrien. Der Besuch im Kriegsgebiet habe ihn zutiefst erschüttert, er habe noch nie so viel Elend und Not gesehen. Er habe aber auch die verzweifelten Versuche von Menschen gesehen, die zerbombten Städte wieder aufzubauen und den Alltag wieder  einkehren zu lassen. „Diese Menschen dürfen wir nicht vergessen“, so Glettler, der offen eingesteht, dass er immer noch dabei ist „Tirol zu lernen“. Er habe aber schon viele Dekanate und Pfarren besucht, habe viele Gespräche geführt und sei auf einem guten Weg. Die Tiroler erlebe er durchaus als herzliche Menschen, die ihre Meinung gerade heraus sagen. „Sie sind nicht so stur, wie man sagt. Das ist ein gut kultiviertes Vorurteil“. Langsam beginne er auch die Dialekte zu verstehen. Er wisse jetzt auch, was „Frustration“ auf Tirolerisch heißt: „Lustverlust“. Glettler im O-Ton: „Luschtverluscht“.  Der Bischof outet sich auch als Fußballfan: „Zuerst bin ich dem Bischof-Stecher-Gedächtnisverein beigetreten, dann dem FC Wacker“.

Angesprochen auf seine Arbeit meint Glettler, er habe da einen Plan B. Denn das Entscheidende für ein gutes, herzliches Miteinander in den Pfarren seien Begegnungen von Mensch zu Mensch.  Es gehe darum, Beziehung  herzustellen, seine Begabungen einzubringen und mit Freude und  Begeisterung an einer offenen, einladenden, geschwisterlichen Kirche mitzubauen. „Wir müssen auch einmal etwas aufgeben und sterben lassen und dafür Neues ausprobieren. Nur so bleibt die Kirche lebendig“.  

Diözesane Baustellen

Als größte Baustellen in seiner Diözese nennt Glettler den Priestermangel, fehlende Berufungen, aber auch die zunehmende Vereinsamung von Menschen. Da müsse man neue Mittel und Wege finden, um gegenzusteuern. Und Glettler bekräftigt, dass er sich weiter öffentlich zu Wort melden werde,  wenn es darum gehe, Außenseitern und Randgruppen der Gesellschaft zu ihrem Recht zu verhelfen. Das habe er ja bei der Bischofsweihe versprochen. „Die Menschen brauchen Arbeit, ein vernünftiges Grundeinkommen, sie müssen sich eine Wohnung leisten und ihre Familie selber erhalten können“, so Glettler, der mithelfen will, das soziale Netz in Tirol enger zu knüpfen. Es sei wichtig, Herz zu zeigen, gerade im Blick auf Alleinerziehende und Geschiedene: „Welches Signal geben wir als Kirche? Das ist eine sehr große Baustelle, das Herz dieser Menschen wieder zu gewinnen, Vertrauen aufzubauen und sie in die Mitte der Gemeinschaft zu stellen, nicht an den Rand“. Und Glettler weiter: „Es ist wunderbar, Familien zu stärken, Eltern zu stärken, aber eben auch für die etwas zu tun, die gescheitert sind“. 

Bergfeuer entzündet

Zum Abschluss des Gipfelgesprächs entzündet Bischof Glettler dann vor dem Restaurant auf der Seegrube  mit Blick auf Innsbruck ein großes Feuer. Verbunden mit dem Wunsch, dass sich Herzenswärme, Hilfsbereitschaft und Solidarität im Land weiter ausbreiten mögen.  Ein berührender Moment: „Die Aussagen von Bischof Glettler waren sehr menschlich. Und Mensch-lichkeit geht einfach zu Herzen. Es war schön, ihn auf diese Weise kennenzulernen. Ich gehe bereichert und beschenkt heim“, bringt einer der Gäste die Stimmung auf den Punkt.  Und auch die Organisatoren ziehen zufrieden Bilanz. „Wir freuen uns, dass die Veranstaltung so gut angekommen ist. Wir freuen uns über eine erfolgreiche Premiere des Gipfelgesprächs auf der Seegrube“, so Peter Jungmann, Obmann des Gedächtnisvereins. 

Initiative Offene Herzen

Das 1. Innsbrucker Gipfelgespräch war die Auftaktveranstaltung für die Initiative Offene Herzen, die heuer im Juni schon zum dritten Mal durchgeführt wird. Über 60 Personen, Gruppen und Einrichtungen beteiligen sich wieder an der Initiative, über 40 Veranstaltungen machen das Anliegen zum Thema:  Herz zu zeigen vor allem für jene Mitmenschen, die nicht auf die Butter-seite des Lebens gefallen sind. Herz zu zeigen wie Jesus. Glettler: „Eine Spiritualität des Herzens lehrt uns, auf den Herzschlag Gottes zu achten. Das Herz Jesu schlägt für alle.“

So lädt zum Beispiel das Land Tirol zum Herz-Jesu-Gelöbnis in die Jesuitenkirche und zum anschließenden Offene Herzen-Konzert in die Hofburg. ORF-Radio Tirol macht Programm mit Herz und schickt herzliche Grüße ins Land. Die Stadt Innsbruck ruft zum Blutspenden auf, die Caritas richtet am Hauptbahnhof eine Herz-Meldestelle ein, führt Interessierte an Orte der beherzten Tat und ermöglicht einen Blick hinter die Türen wichtiger sozialer Einrichtungen. Das Dekanat Lienz organisiert Tage der Achtsamkeit, Firmlinge machen bei der Herz-Jesu-Prozession der Pfarre Mils mobil. Die Privatklinik Hochrum verweist in Vorträgen darauf, dass die Haltung der Herzlichkeit das eigene Immunsystem stärkt und sich positiv auf die Gesundheit auswirkt. Damit nicht genug - der Bäcker Ruetz verkauft am 8. Juni, dem Tag der Herzlichkeit (Herz-Jesu-Freitag) wieder Sonnenblumenweckerln in Herzform für den guten Zweck, die Tyrolia Einkaufstaschen mit dem Schriftzug „Herz haben. Herz zeigen!“ Blumenpark Seidemann lässt Blumen sprechen, der Schützenbund entzündet traditionell Bergfeuer als Erinnerung an das in Kriegsgefahr gegebene Versprechen, Jesus treu zu bleiben und seinem Beispiel zu folgen.  Das detailierte Programm finden Sie unter Termine

Der Erlös aus der Initiative Offene Herzen geht an eine in Not geratenen Tiroler Familie (Soforthilfefonds Licht ins Dunkel), die Vinzengemeinschaften (Aktion „Vinzibus“ – Essen auf Rädern für obdachlose Menschen) und an Bischof-Stecher-Hilfsprojekte (Behinderteneinrichtung Arche Tirol, Wasser zum Leben, Schul- und Sozialzentrum für Mädchen in Niger).

Das Erste Innsbrucker Gipfelgespräch können Sie unter ORF Tirol nachhören und -schauen:
Zum Gespräch

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