Bischof Stecher Gedächtnisverein

herz.jesu.2021

Gedanken und Impulse für eine zeitgemäße Herz-Jesu-Verehrung und eine Kultur der Herzlichkeit

Wir haben das Herz-Jesu-Jubiläum zum Anlass genommen, über eine zeitgemäße Feierkultur nachzudenken und darüber, warum es in Tirol einen Tag der Herzlichkeit braucht. Die 120 Seiten starke Broschüre geht an alle Gemeinden und Pfarren. Sie können Sie gegen eine Spende beziehen bei: Buchhandlung Tyrolia, Innsbruck, Maria-Theresien-Straße 15, und beim Caritas-Tirol-Shop, Heiliggeiststraße 16.

 

Grußwort von Landeshauptmann Günther Platter

Herz haben und Herz zeigen
2021 jährt sich der Geburtstag des bereits verstorbenen, uns aber immer in guter Erinnerung bleibenden Bitschofs Reinhold Stecher zum 100. Mal. Gleichzeitig wird 2021 das 225-Jahr-Jubiläum des Herz-Jesu-Gelöbnisses begangen.
Was 1796 aus der akuten Bedrohung Tirols durch die Truppen Napoleons heraus geschah, ist als Zusammenrücken eines kleinen Volkes zu verstehen, um sich gegen eine Revolutionsarmee noch wirksamer verteidigen zu können. Ich habe als Landeshauptmann in einer seit Jahrzehnten von Kriegen verschonten Europäischen Union den Herz-Jesu-Tag auch zum „Tag der Herzlichkeit" ausgerufen. Unter dem Motto „Herz haben – Herz zeigen" ist dieser Aktionstag all jenen Menschen gewidmet, die anderen mit Rat und Tat zur Seite stehen, beherzt mitanpacken und ihre Hilfe anbieten. Am „Tag der Herzlichkeit" steht die gelebte Solidarität im Mittelpunkt, die in unserem Land Tag für Tag spür- und erlebbar ist und mich mit großem Stolz erfüllt.
„Unsere Welt ruft nach Herz" – dieser Appell von Bischof Reinhold ist heute aktueller denn je. Schon vor vielen Jahren hat der Tiroler Oberhirte den Verlust des Einfühlungsvermögens als erstes wirklich ernstzunehmendes Virus bezeichnet, das durch die Blutbahn einer Gesellschaft kreist. Gerade die Zeit der Corona-Pandemie hat aber eindrucksvoll gezeigt, dass selbst eine noch nie dagewesene Krise das Miteinander in unserem Land nicht er-schüttern kann. Im Gegenteil: Die Tirolerinnen und Tiroler haben einander in eindrucksvoller Art und Weise unterstützt und dafür gesorgt, dass auf niemanden vergessen wird.
Das Zusammenfallen des 100. Todestages von Bischof Reinhold mit dem 225. Jahrestag des Herz-Jesu-Gelöbnisses ruft uns dessen ganz besondere Gabe in Erinnerung: Dem Leben in seiner Vielfalt jenen besonderen Glanz zu verleihen, der den Alltag aufbricht und das Ewige erahnen lässt.

 

Vorwort von Hrsg. Peter Jungmann

Hand auf´s Herz. Wissen Sie, was unsere Vorfahren 1796 in akuter Kriegsgefahr versprochen haben? Wissen Sie, was es mit dem Herz-Jesu-Gelöbnis auf sich hat und warum es jedes Jahr erneuert wird? Wissen Sie, wofür das Herz-Jesu-Fest gut ist, warum Prozessionen abgehalten und Berg-feuer entzündet werden? Wissen Sie, wie das Herz-Jesu-Bild nach Tirol gekommen ist und was die Jesuiten damit zu tun haben? Wissen Sie, warum die Schützen zu Herz-Jesu ausrücken und eine Ehrensalve schießen? Wissen Sie, warum es gut tun kann, dem Beispiel Jesu zu folgen und in seiner Herzspur zu bleiben?
Wenn ja, dann könnten Sie diese Broschüre auch schon wieder zur Seite legen. Wenn nein, dann lassen Sie sich anregen, wieder einmal über den Sinn dieses Festes nachzudenken und darüber, wie denn eine zeitgemäße Feierkultur ausschauen könnte. Die haben schon namhafte Theologen wie Karl Rahner oder die Innsbrucker Bischöfe eingemahnt, im Wissen, dass Tirol zwar immer noch ein christlich geprägtes Land ist, dass sich Riten, Bräuche und religiöse Vorstellungen aber längst nicht mehr allen erschließen.
Was nützt die beste Tradition, wenn sie nicht mehr ist als Folklore? Was hilft das schönste kirchliche Fest, wenn es nur noch aus Gewohnheit gefeiert wird und für das Leben der Menschen keine Bedeutung mehr hat?
Die Landstände Tirols haben sich vor 225 Jahren in ihrer Not an ihren Gott, an Jesus Christus gewandt. Sie haben ihn in einer unsicheren Zeit um Schutz und Hilfe für Land und Leute gebeten. Sie haben das vermutlich getan, weil sie davon überzeugt waren, dass Jesus ein offenes Ohr für die Sorgen und Nöte der Menschen hat und ein offenes Herz besonders für jene, die es schwer haben. Und sie haben versprochen, Jesus und seinem Beispiel zu folgen, also in der Herzspur Jesu zu bleiben.
Macht Sinn, oder nicht?
Bischof Stecher hat den Herz-Jesu-Kult schon vor Jahren auf eine einfache, aber zeitlos gültige Formel gebracht:
„Etwas mehr Herzlichkeit, ist die schönste Form der Herz-Jesu-Verehrung."
Das ist Wasser auf die Mühlen von Papst Franziskus, der schon bei seinem ersten Angelus-Gebet am 17. März 2013 in Rom vor 150.000 Gläubigen am Petersplatz in Rom sein zentrales Anliegen zum Thema macht: „Etwas mehr Barmherzigkeit verändert die Welt, es macht sie weniger kalt und mehr gerecht." Gott hat ein Herz für uns, lernen wir, barmherzig zu sein, ruft Franziskus und ernetet dafür viel Applaus, lange vor der Corona-Pandemie.
Die Krise hat uns neu bewusst gemacht, wie sehr wir aufeinander angewiesen sind und dass wir die gesellschaftlichen, wirtschaftlichen, ökologischen und sozialen Probleme der Gegenwart nur lösen können, wenn wir das Gemeinsame über das Trennende stellen und noch mehr als bisher „Z´sammhalten". Was uns alle verbindet sind Herz und Herzlichkeit. Gottes Herz schlägt für alle, sagt Bischof Hermann Glettler. Und er steht mit seiner Meinung nicht alleine da. Aber lesen Sie selbst.

 

Tradition – mehr als ein Blumentopf

Tradition muss auch gelebt wird. Wer sich auf Jesus beruft, muss auch seinem Beispiel folgen, muss auch bereit sein, Herz zu zeigen und beherzt für den Nächsten einzustehen. Darauf hat Bischof Reinhold Stecher immer wieder hingewiesen, auch bei einer Festpredigt, die er 1996 zum 200-Jahr-Gelöbnis am Weerberg gehalten hat und die wir Ihnen nicht vorenthalten wollen, weil sie Wesentliches auf den Punkt bringt.

„Tradition ist wie ein schöner, alter Blumentopf aus wert-voller Keramik. Aber so wie er ist, stellt man ihn nicht ins Fenster. Da muss doch eine leuchtende, lebendige Blume hinein, eine Pelargonie oder Geranie oder eine brennende Liab. Ohne Blumen gehört der Topf ins Volkskunstmuseum.
Tradition ist wie ein kostbarer, alter, barocker Silberleuchter, wie man sie in unseren Kirchen findet. Aber wenn er noch so kunstvoll getrieben ist – auf den Leuchter muss doch eine Kerze, ein lebendiges Licht. Wer stellt denn Leuchter ohne Kerzen auf den Altar? Das lebendige Licht muss man immer wieder anzünden und ersetzen, wenn es abgebrannt ist. Der Leuchter ohne Licht passt nur noch in den Kasten.
Tradition ist wie ein goldener Ring, wie ihn mir mein Vorgänger übergeben hat. Aber der Ring ist dazu da, dass er einen kostbaren Stein hält. Wenn der Stein verloren geht, was soll dann der Ring? Ich würde ihn kaum mehr anlegen, wenn er nur eine leere Fassung wäre.
Der Blumenstrauß, die brennende Kerze, der funkelnde Stein, das ist es, was bei uns heute da sein muss, damit die schönen Dinge nicht ins Museum wandern, sondern ihren Sinn behalten. Und was ist das? Das ist euer tiefes, lebendiges Vertrauen in dieses göttliche Herz. Dieses Vertrauen muss Blühen, Leuchten und Funkeln. Wir haben doch so viel, ihr und ich, was wir nur Gott anvertrauen können: die Kinder, die jungen Menschen, den Zusammenhalt in der Familie und in der Gemeinde und Pfarrgemeinde, die Alten und die Kranken, die Problemfälle und die positiven Entwicklungen, die Arbeitsplätze, die wirtschaftliche Zukunft, die Umwelt und die Heimat, den Frieden, alles was an guten Ideen und Initiativen herum ist, und alles, was uns an Schwachsinn bedrängt. Wer bildet sich denn ein, dass wir mit all dem ganz alleine fertig werden? Im Letzten ist das meist einfach ein Geschenk. Wir können nur auf den Herrn und seine Vorsehung und sein gütiges Herz hoffen. Und dieses Vertrauen und Hoffen ist die lebendige Blume im alten Blumentopf, das brennende Licht auf dem Silberleuchter und der funkelnde Stein im Ring."

 

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